shut up and listen! 2025
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Montag, 20. Oktober 2025 @ SP•CE, 18:00-22:00
Kai Fagaschinski: The Evil of Banality (clarinet quartet) 2025
Klanginstallation (Eröffnung inkl. Live-Performance)
Adresse: shut up and listen! @ SP•CE _ Billrothstraße 6/2, 1190 Wien
Weitere Präsentationszeiten: 21. bis 24. Oktober 2025, 18:00-21:00
Das Forschungsprojekt AUDIO GHOSTS wird vom Österreichischen Wissenschaftsfonds (FWF) finanziert [PEEK AR 774-G].
![[Kai Fagaschinski; Foto: Artist]](https://sp-ce.net/wp-content/uploads/2025/10/Slika1-300x219.jpg)
The Evil of Banality (clarinet quartet)
Ein von innen nach außen gewendetes Streichquartett, ein umzingelnder Schwarm, eine Synchronschwimm-Choreographie.
Drei Analogien seien vorangestellt zur allgemeinen Verwirrung. Ein Fokus in meiner musikalischen Praxis ist das Zwischen-den-Tönen bzw. das entstehende Dritte zwischen zwei Klängen nicht oder nicht nur als poetisches Erleben, sondern auch als ganz konkretes und physikalisches Klangphänomen in Raum und Ohr. Der Ereignisraum von Schwebungen und Differenztönen öffnete sich bei mir nicht aus einer Theorie heraus, sondern aus dem zunächst höchsterstaunten, praktischen und experimentellen Musiziererleben.
Üblicherweise arbeite ich zusammen mit ähnlich oder komplementär gesinnten Kolleg*innen. Im psycho-akustischen Zusammenhang hervorzuheben seien meine langjährigen Duos The International Nothing mit Klarinettist Michael Thieke und Los Glissandinos mit Klaus Filip an den Sinuswellen. Erst in jüngster Zeit ist bei mir ein Interesse geweckt klangliche Szenarien kompositorisch oder konzeptuell auch allein zu entwickeln. Hierbei interessiert mich nicht das Solistische, sondern auch explizit die Dynamik zwischen den Klängen. Da sich meine kompositorische Imagination in Grenzen hält, bleibe ich bei meinem Instrument und, speziell im Fokus bei The Evil of Banality, der mir vertrauten und persönlichen Klangsprache.
Das Streichquartett dient mir als faszinierendes Modell für eine mehrschichtige musikalische Einheit. Durch das räumliche Ausbreiten dieser Einheit – die vier Klangquellen spielen aus den vier Ecken des Raumes – ergibt sich ein klareres und transparenteres Erleben der Beziehungen und Bewegungen der Klänge zu-, mit- und gegeneinander durch den Raum. Die Dichte und Ähnlichkeit der Klänge wiederum verwischt dieses Beziehungsgeflecht bisweilen zu einem diffusen Schwarm. Die langen Tonbahnen, oft elektronisch-anmutend, werden immerwieder ganz menschelnd unterbrochen durch ein kurzes, bedächtig koordiniertes Auftauchen und Luftholen.
Es lassen sich allerlei lustige Spielereien mit den Aspekten der Klangphänomene und der Klangprojektionen vollführen. Vielleicht sollte man sogar sagen, dass dererlei Effekte für den Moment regelrecht verführerisch wirken, sich aber auf Dauer nicht immer unbedingt als abendfüllend erweisen. Wie findet sich also eine musikalische Form? Für mich geht es bei aller Liebe für das Abstrakte und den Sound-as-such auch immer um die Gestaltung eines subtilen Narrativs. So scheint mir für meinen kleinen psychedelischen Road Trip der Begriff Science Fiction als recht treffliche Zuschreibung.
Ich wünsche ein spannendes Hörerlebnis!
Kai Fagaschinski, Berlin, September 2025
P.S.: Mit der Premiere des Quartetts präsentiere ich gleichzeitig mein neues Doppel-Album „Aerodynamics“ (Ni Vu Ni Connu), dass eine Klarinettenoktett-Komposition und eine Nonett-Konzeption enthält, die jeweils direkte Vorläuferarbeiten für The Evil of Banality darstellen.
![[Kai Fagaschinski; Foto: Michael Thieke / drawing treatment by Marion Epp]](https://sp-ce.net/wp-content/uploads/2025/10/Photo-©-Michael-Thieke-_-drawing-treatment-by-Marion-Epp-300x247.jpg)
Kai Fagaschinski
clarinetist | composer/performer | nightwatch
* 6.10.1974 in dannenberg/elbe (d)
the berlin-based clarinetist and composer/performer focuses on a subtle musicality of sound and noise phenomena. as an autodidact he has developed dubious manners on his instrument. as a natural-born abstract he includes an insidious expressivity and a pre-melodic quality to his music. he operates in both systems: composition and improvisation. his preference are long-term collaborations at eye level – no leaders, no sidemen, no assholes. his bands are the international nothing – clarinet duo with michael thieke, the dogmatics – acoustic piano/clarinet duo with chris abrahams, the magic i.d. – song project with margareth kammerer, christof kurzmann & michael thieke, the elks – electro-acoustic chaos troop with liz allbee, billy roisz & marta zapparoli, schall und rausch mit johan arrias, axel dörner & tisha mukarji, los glissandinos with klaus filip (sine waves), musik – duo with burkhard stangl, the brothers grim – experimental song project with seamus cater, splitter orchester – berlin’s 24-piece echtzeitmusik orchestra, here comes the sun with gunter schneider & barbara romen, kommando raumschiff zitrone with christof kurzmann, rebecca with michael renkel, and (exceptionally) solo.
kai has been the commander of raumschiff zitrone from 2000 to 2006, joined by christof kurzmann in 2002. recently both commanders have been retired and closed the legendary raumschiff zitrone which has presented concerts of countless international artists. in 2001 he co-initiated together with gregor hotz and conrad noack berlin‘s experimental music platform www.echtzeitmusik.de. kai was artist-in-residense at quartier21 (part of museumsquartierwien, vienna) in 2004. as a result of fruitful collaborations and good friendships vienna feels like a second home for him.